Über die irische Pubkultur… und einigen männlichen Gepflogenheiten im Pub

Was macht man bei immer wiederkehrenden Regengüssen und den unaufhörlichen Westwinden aus dem Atlantik? In Irland geht man in sein verlängertes Wohnzimmer, dessen dick angestrichene bunte Lackfassade garantiert jeden Regentropfen abperlt. Die Rede ist von Pub- Abkürzung von public house, jene irische Kultbar, die weltweit eine besondere Bekanntheit erlangt hat. Tritt man mit seinen durchfeuchten Kleidern herein, fühlt man sich in der gemütlichen Atmosphäre bei Torffeuer, schon gleich wohlsam und warm. Die Aufmerksamkeit zieht der Anblick der antiken Theke mit einer Unzahl an Zapfhähnen und Whiskyflaschen, wohinter ein Barman mit routinierter Fertigkeit den cremig dunklen stout zapft.
Die vielen Zapfhähne bieten allerlei Marken von Biersorten, darunter helles Lager wie Harp, dunkles Starkbier wie Guiness oder Murphy`s, oder das rote Bier Ale wie Smithwicks. Über die Marke Smithwicks, das wie smiddiks ausgesprochen wird, gibt es gar Kurioses zu erzählen. Das in Kilkenny gebraute Bier bekommt für seinen Export ins Ausland einen höheren Alkoholgehalt, als das in Irland üblich ist. Es wird zum Namen Kilkenny umbenannt und mittlerweile nach Irland reimportiert. Daher bevorzugt der Ire eher ein Kilkenny als Smithwicks zu trinken, auch wenn er dafür etwas mehr bezahlen muss. Bestellt wird mit pint (knapp 500 ml) oder halfpint (ca. 250 ml), wobei das Letztere eher von Frauen getrunken wird. Schließlich gilt der halfpint bei vielen Iren als unmännlich.
Das Bier ist in Irland nach wie vor das beliebteste Getränk. Das beweist sogar eine Vergleichsstudie von 2004, wo die Iren mit 131,1 Liter pro Kopf/ im Jahr, auf Platz 2 im weltweiten Bierkonsum kamen.
Ein anderer Drink, das mit großer Auswahl angeboten wird und zur irischen Trinkkultur gehört, ist der irische und schottische Whisky. Bei den Iren als Whiskey geschrieben. Der Name kommt aus der alten gälischen Sprache: uisce beatha, was soviel heißt wie „Wasser des Lebens“. Es ist das Getränk ihrer keltischen Wurzeln. Der Unterschied zum Schottischen liegt darin, dass die Gerste über ein Torffeuer geröstet wird, wodurch der schottische Whisky eine rauchige Geschmacksnote erhält.
Eine weitere kulturelle Gepflogenheit in den Pubs, sind die Sessions. Hierbei wird traditionelle Musik mit fiddle, Harfe, Dudelsack, Blechflöte, Akkordeon und Bódhran (ein Schlaginstrument) gemacht. Oft ist das eine offene Zusammensetzung von erfahrenen Spielern, die regelmäßig in ihrem Pub kommen. Ungezwungen werden die Instrumente ausgepackt und los geht’s mit sets- mehrere und ohne Pause aneinander gereihte Musikstücke. Der harmonische Zusammenklang und der Spaß der Spieler steht hier im Vordergrund. Es zähmt sich nicht nach Noten zu spielen, denn ein irischer Musiker hat seine Kunst durch wiederholtes Anhören und Nachspielen gelernt. Er weiß die Grundmelodie der seit Jahrhunderten überlieferten Lieder durch Verzierungen und Verschleifungen so zu verzerren, dass daraus eine individuelle Interpretation des Musikstücks entsteht. Den persönlichen Stil mit den anderen Musizierenden so zu verbinden, dass daraus ein Zusammenspiel wird, macht die Virtuosität eines guten irischen Musikers aus. Dann steigt die Stimmung im Pub. Kaum einer mehr kann noch still stehen und der Zapfhahn fließt fast ununterbrochen.
Übrigens, zwischen Mai und September ist die klimatisch angenehmste Zeit, um nach Irland zu reisen. Die irische Fluggesellschaft Aer Lingus bietet günstige Flüge. Also, warum nicht über ein verlängertes Wochenende, Dublin oder Galway für ein Pubcrowling besuchen? Der Vatertag steht vor der Tür!
In diesem Sinne, verabschiede ich mich mit einem irischen Prost…..SLÁNTJE!

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