Wein im falschen Glas bringt Kummer im großen Maß

Es gibt Weinkenner, die sich sowohl über Lagerung und die richtige Trinktemperatur als auch über den passenden Wein zum Essen im Klaren sind. Nicht selten sind es jedoch gerade diese Menschen, die jeden Wein aus dem gleichen Glas trinken. Sie geben vor, sich mit der Kultur des Weintrinkens bestens auszukennen; unterschätzen aber die Wichtigkeit des Glases, in dem der Wein serviert werden soll. Dabei ist die Erklärung so simpel.

Auf der menschlichen Zunge liegen – wie man inzwischen wissen sollte – verschiedene Geschmacksrezeptoren. Diese befinden sich an unterschiedlichen Stellen und leiten süßen, sauren, salzigen oder bitteren Geschmack an das Gehirn weiter. Deshalb ist es wichtig, dass der Wein durch die entsprechende Glasform direkt auf den für ihn vorgesehen Rezeptor trifft. Der Geschmack eines Süßweins kann nicht vollständig wahrgenommen werden, wenn der Wein auf salzempfindlichen Rezeptor gelangt. Ähnlich verfälscht wird der Geschmack, wenn der Wein den Süß-Rezeptor nur halb reizt. Um dieser Verschwendung wertvollen Weins entgegenzutreten, ist eine angemessene Zuordnung diverser Gläser unerlässlich.

  • Ein tulpenförmiges und hohes Weinglas eignet sich für Bordeaux und Chianti. Diese Glasform gewährleistet, dass die Röst- und Bitteraromen weit hinten auf die Zunge gelangen.
  • Ein kleines rundes Rotweinglas ist für Burgunder, deutsche und spanische Alltagsweine gut geeignet.
  • Weißweine sind generell in kleinen schlanken Gläsern gut aufgehoben.
  • Die Champagnerflöte erfreut sich bei Champagner, Sekt und Schaumwein größter Beliebtheit.
  • Ein kleines Glas, ähnlich einer Champagnerflöte, passt hervorragend zu Sherry, Portwein und vorzugsweise zu Dessertwein.

Unabhängig davon, wie groß sie sind, werden die Gläser lediglich bis zu drei Fingerbreit gefüllt. Der restliche Raum des Glases soll dem Zusammenhalt der Aromen vorbehalten sein, da man den Großteil der Aromen durch die Nase aufnimmt. Nur was zuvor von der Nase aufgenommen worden ist, kann später im Mund richtig geschmeckt werden.

Wer diesen Gläserzuordnungen skeptisch gegenübersteht und meint, es sei völlig egal aus welchem Glas man den Wein trinkt, der sollte sich die Mühe machen und folgendes Experiment unternehmen:

Nimm einen Wein, dessen Geschmack du genau definieren kannst, und fülle ihn in fünf verschiedene Gläser: in ein Wasserglas, in ein Weißweinglas, in ein Rieslingglas, in ein Rotweinglas und in eine Champagnerflöte. Probiere nun den Wein, dessen Geschmack du zu kennen scheinst, aus allen fünf Gläsern und neutralisiere deine Zunge mit Wasser und Weißbrot, bevor du von einer Probe zur nächsten schreitest.

Du wirst überrascht sein, welche unterschiedlichen Geschmacksfacetten dir ein Wein offenbaren kann, und zwar nur dadurch, dass du ihn aus verschiedenen Gläsern trinkst. Vielleicht schmeckt dir ja halbtrockner Riesling aus dem Bordeauxglas am besten. Wer weiß: Geschmäcker sind eben doch verschieden.

Nicht nur die Gläser sind für die völlige Entfaltung der Weinaromen ausschlaggebend, sondern auch die richtige Trinktemperatur. Reife Weine (Bordeaux, Baroli, Burgunder, Hermitage) sollten bei 18°C, jüngere leichtere Weine hingegen bei 16-17°C getrunken werden. Schwere Weißweine sollten auf 12°C, einfache Weißweine auf 8-10°C abgekühlt werden. 6°C genügen für Süß- und Schaumweine und Champagner.

So kann Wein, auf richtige Temperatur gebracht, in einem entsprechenden Glas wahre Gaumenextasen hervorrufen. Nun ja, wir wollen mal nicht übertreiben. Besser schmeckt er aber auf jeden Fall.

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