Frühlingsgefühle – Nur ein Mythos?

Die Nächte werden kürzer, die Tage länger. Draußen blüht es im Glanze des Sonnenscheins. Die Vögel zwitschern und die Temperaturen steigen. Die Cafés und Bars in der Stadt füllen sich so schnell wie Karten für ein Robbie Williams Konzert verkauft werden. Im Regelfall fühlen wir Menschen zu dieser Zeit dieses Frühlingserwachen. Doch stimmt es, dass unser Hormonhaushalt völlig durcheinander gerät?

“Rein hormonell betrachtet gibt es die viel zitierten Frühlingsgefühle gar nicht.”, so der Sprecher Martin Reincke der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Der Freiburger Professor äußerte weiterhin in einem dpa-Gespräch, dass diese Frühlingsgefühle nur noch weitab unserer Zivilisation bei Eskimos auszumachen seien.

Experten lassen unterdessen verlauten, dass zum Frühlingsbeginn etwas in unserem Körper geschehe. Im Winter befinde sich das in der Zirbeldrüse produzierte Schlafhormon Melatonin in erhöhter Konzentration in unserem Körper. Im Frühling werde hingegen weniger produziert. Grund dafür sei das Sonnenlicht. Dieses gelange durch die Netzhaut zum Gehirn. Je mehr Sonnenlicht auf die Netzhaut auftreffe und anhand von Informationen an das Gehirn geleitet werde, desto weniger Melatonin werde produziert. So sollen wir uns insgesamt fitter und sexuell erregbarer als im Winter fühlen.

Der Experte für Hormonerkrankungen an der Universität Freiburg Reincke stimmt zwar völlig mit den Ansichten der Experten zur hormonellen Veränderung durch Sonnenlicht zu, korrigiert aber anschließend: “Richtige Dunkelheit und Kälte gibt es heute gar nicht mehr. Deshalb stellen sich die Hormone auch nicht mehr um”. Durch künstliches Licht ließe sich selbiger Hormonhaushalt herstellen. Sonnenlicht sei dazu nicht nötig. Zudem habe der Jahreszeitenwechsel nahezu keinerlei Einfluss auf die hormonelle Situation Frau, da durch die Einnahme der Pille der weibliche Zyklus künstlich verändert werde. “Die Frühlingsgefühle spielen sich höchstens im Kopf ab.”, fügt Reincke abschließend hinzu.

Im ursprünglichen Sinne jedenfalls haben die Frühlingsgefühle, auch wenn sie vielleicht heutzutage nur noch im ewigen Eis, weitab von der Zivilisation, vorkommen, ihren biologischen Zweck. Günter Stalla vom Münchner Max-Planck-Institut erforscht die Wirkung von Hormonen und kommt zu einem ähnlichen Ergebnis wie andere Experten. Nach Stalla sind vielerlei Hormone, wie Sexualhormone und Schilddrüsenhormone für die Frühlingsgefühle verantwortlich. Deren Zweck ziele darauf ab, die Nachkommen zu einer sicheren und nahrungsreichen Zeit zu gebären. Demnach müssten die Wintermonate die geburtenreichsten sein. Tatsächlich werden aber in den Sommermonaten Juli und August rund zehn Prozent mehr Kinder geboren als in den übrigen. Hierin besteht also ebenso Uneinigkeit.

Einig indes ist man sich über die psychologischen Folgen des Frühlings. Leicht bekleidete Frauen und warme Temperaturen sorgen eben auch ohne Frühlingsgefühle für leichtere sexuelle Erregbarkeit.

Doch der Flirtwahn begrenzt sich nicht nur auf die öffentliche Umgebung. Eine der größten Internet-Partnerbörsen verzeichnet im April im Vergleich zum Vormonat März 18 Prozent mehr Mitglieder. Im Mai fällt der Zuwachs an neuen Mitgliedern noch immenser aus. So melden sich in dieser Zeit 41 Prozent mehr an als im April.

Abschließend bleibt zu sagen, dass der Frühling ungeachtet der Meinungen von Experten etwas Außergewöhnliches bleibt und jedes Jahr aufs Neue einzigartig ist. Ob es die Vorfreude auf lauwarme Sommernächte und Grillabende oder die warmen Temperaturen und das schöne Wetter sind: Wir fühlen uns wohl und sind unter anderem deshalb bester Laune. Das Übrige erledigen die Frauen, die unsere Gemüter mit Röcken und mehr Haut beglücken.

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