Smalltalk – Die Kunst des Nichtssagens

In nahezu jeder Situation finden sie statt: Smalltalks. Ob in Bus, Aufzug, beim Einkaufen oder auf langen Reisen. Wie wichtig sie sind, bestimmt der Kontext, in denen sie stattfinden bzw. stattfinden sollten. Im Berufsleben sind sie sicherlich wichtiger als in Alltagssituationen. Wer sich gelegentlich im Aufzug mit dem Vorgesetzten oder gar mit dem Chef die wenigen Quadratmeter teilt und sich regelmäßig verhält, als habe er die deutsche Sprache verlernt, trifft nicht unbedingt auf Sympathie seines Gegenübers. Zu einseitig gebrauchte Gesprächsthemen, wie der klassische “Plausch” über das Wetter, können auch nerven, vor allem wenn ein solches Thema ständig mit der gleichen Person aufgegriffen wird. Zur Fähigkeit ein kleines Gespräch beginnen zu können, gesellt sich also auch noch die Raffinesse, ein Paket verschiedenster Themen zusammenstellen zu können. Das liegt nicht jedem und gestaltet sich mancherorts auch äußerst schwierig. Man kann es jedoch üben, und zwar täglich: Bus, Bahn, Einkaufszentrum. Es bieten sich ausreichend viele Möglichkeiten.


Ist Smalltalk wirklich so wichtig?

Wirtschaftsvertreter beziehen klare Stellungen zu diesem Thema. Thorsten Knobbe, Kommunikationsberater und Inhaber von Arbeitszeugnisse.de, ist der Auffassung, dass durch Smalltalk eine gewisse Beziehung bestehen bleibe, auf der man aufbauen könne. Eine nicht ganz so “kuschelig” klingende Auffassung vertritt der Geschäftsführende Gesellschafter der Managementberatung Mühlenhoff + Partner, Herbert Mühlenhoff: “Ohne Small-Talk-Fähigkeiten kann man heutzutage keine Karriere machen.” Auch Ulrich Goldschmidt, der Geschäftsführer des Verbandes der Führungskräfte, nimmt kein Blatt vor den Mund: “Small Talk ist ein unentbehrlicher Bestandteil des Networkings.”. Zudem hält er die fehlende Vernetzung am Arbeitsplatz für das größte Beschäftigungsrisiko eines Arbeitnehmers. Letztendlich kann eine eingeschränkte Smalltalkfähigkeit zu dieser benannten fehlenden Vernetzung führen. Spätestens jetzt dürfte Einigkeit darüber bestehen, dass Smalltalk als eines der fördernden Mittel der Kommunikation eine gewichtige Stellung in der Berufswelt einnimmt.

Mit der Gestik fängt es an

Nicht nur auf den Inhalt kommt es an, sondern auch auf die Art und Weise, wie man ihn vermittelt. Freundlichkeit sollte Selbstverständlichkeit sein. Auf eine kurze Begrüßung und Vorstellung seiner selbst sollte auch nicht verzichtet werden. Arme sollten unverschränkt bleiben, Blickkontakt hergestellt und gehalten werden, um dem Gesprächspartner Interesse zu zeigen. Bei all der Offenheit sollte auf kumpelhaftes Schulterklopfen und Umarmungen verzichtet werden. Ziel ist die Schaffung einer persönlichen und emotionalen Basis.

Gesprächsthemen

Dies dürfte wohl die größte Hürde des Smalltalks darstellen. Schließlich kennt man, zumindest in den häufigsten Fällen, seinen Gesprächspartner nicht. Demnach kann man ebenso wenig wissen, über was dieser Gesprächspartner bevorzugt redet oder welche Themen ihn interessieren. Ungeachtet dessen dürfte klar sein, dass Tabuthemen, wie z.B. Erotik, weniger für ein Gespräch geeignet sind.

Geeignete Themen:

  • Klassiker: Wetter
  • Ort des Gesprächs (Stadt, Gebäude)
  • Vorträge (die beispielsweise in Tagungen, Messen oder Konferenzen gehalten wurden)
  • Kunst, Film, Musik, Literatur
  • Ausbildung, Beruf
  • Freizeit, Urlaub, Sport

Ungeeignete Themen:

  • Religion
  • Streitige politische Themen
  • Allgemein Finanzen
  • Sehr private Themen (z.B. Gesundheit)
  • Witze über Abwesende

Insgesamt ist zu raten, eher positive Dinge zu diesen Themen zu erwähnen, es sei denn eine Situation ist offensichtlich unerfreulich, dann kann man sich auch negativ über sie äußern. Redet man beispielsweise über eine Stadt, durch die man gerade in einem Bus fährt, sollte man eher positive als negative Eigenschaften hervorheben. Wenn der Busfahrer andererseits ungewöhnlich unfreundlich ist, kann man auch dies zum Gesprächsthema machen.

Während des Gesprächs sollte man darauf verzichten, den überwiegenden Teil des Gesprächs an sich zu ziehen. Das wirkt allenfalls arrogant. Die Meinung des Gesprächspartners zu erfragen, ohne sie vorerst zu kommentieren, ist angemessener. Auf Fragen sollte man ausgiebig antworten, weder zu einsilbig noch zu ausführlich. Aussagen sollten so weit es geht auf Fakten, weniger auf Vermutungen und Gerüchten beruhen. Das stellt eine gewisse Seriosität sicher. Allgemeinwissen ist auch hier gefragt. Um bei kurzen Ausflügen zu aktuellen politischen oder wirtschaftlichen Themen Blamagen zu verhindern, bietet es sich an, täglich Zeitung zu lesen. Der Vorteil besteht darin, dass man aus einem großen Fundus an Themen schöpfen kann.

Kann man das lernen?

Und ob man das kann. Wenn man die genannten Tipps und Hinweise beherzigt, ist man jedenfalls schon mal theoretisch für den Smalltalk gerüstet. Bevor du zwanghaft versuchst, dein Können im erstgenannten Beispiel im Aufzug unter Beweis zu stellen, solltest du es vorziehen, vorerst ein wenig zu trainieren. Versuche es im Bus oder Zug. Dort ist es nicht sonderlich schlimm, wenn du kein Gespräch zustande bringst. Nutze jede Situation, in der ein Redeanlass bestehen könnte. Je öfter du fremde Leute ansprichst, desto mehr verlierst du die Scheu vor ihnen. Wer sich ausgiebiger mit diesem Thema befassen will, sollte zu entsprechenden Büchern greifen.

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