Lernen lernen

“Ist das Kind auch noch so dumm, groß schreibt es das Verb nach im, beim, am und zum!”

Ob in Fortbildungen, Seminaren, beim Fernstudium oder im Berufsalltag: Es wird ständig von dir gefordert, neue Sachen zu lernen. Die Schulzeit liegt schon eine geraume Zeit zurück, weswegen es dir umso schwerer fallen dürfte, effektiv zu lernen. Was du jetzt brauchst, ist ein gutes Lernkonzept mit einer adäquat angepassten, lückenlosen Strategie, um den Lernstoff auf deine Festplatte zu brennen und ad hoc abrufbar zu machen.


Die einfachste Methode, etwas zu lernen, ist und bleibt wohl die der Konditionierung per Belohnung und Bestrafung – auch operante Konditionierung genannt. Homer von den Simpsons sei von dieser Behauptung mal ausgeschlossen. Dieser kultige gelbe Trottel lernt nicht mal aus Stromschlägen, die ihm ausdrücklicher als jedes anderes Mittel klarmachen dürften, dass die Verhaltensweise, die er an den Tag legt, nicht auf fruchtbaren Boden treffen kann. Dass manche Tiere schneller als Homer lernen, dürfte dem, der im Biologieunterricht aufgepasst hat, auch nicht unbekannt sein.

 

Die Anfänge der Lernpsychologie wurzeln in der Zeit um das 19 Jahrhunderts. Die Hundeversuche Iwan Petrowitsch Pawlows, des Begründers der klassischen Konditionierung, erbrachten erstmalig Bahn brechende Erkenntnisse Der Reflexologie. Ihm war es gelungen, nachzuweisen, dass bei Hunden die Speichelsekretion schon beim Anblick von Nahrung beginnt, nicht erst bei der Nahrungsaufnahme. Bevor Pawlow den Hunden etwas zu fressen gab, läutete er eine Klingel. Nach mehreren Durchläufen genügte der Klingelton, um die Speichelsekretion beim Hund auszulösen. Die angeborene Verhaltensweise der Speichelsekretion ist an einen Reiz (Läuten der Klingel) gekoppelt worden. Der Hund hat also gelernt, dass der Klingelton unmittelbar mit dem zur Verfügungstellen der Nahrung zusammenhängt. Der angeborene Reflex des Hundes ist konditioniert worden.

Wir Menschen ähneln den Tieren mehr, als wir zunächst vermuten würden. Wie bei uns Menschen, gilt bei Tieren ebenso: Ohne Motivation keine Lernvorgang. Dies zeigte sich bereits im vorigen Beispiel: Ein satter Hund hätte wohl kaum diesen Lernvorgang vollzogen. In Burrhus Frederic Skinners “Skinner Box” hätten die Ratten auch keine Lernfortschritte gemacht, wenn deren Hunger gestillt gewesen wäre. Über die klassische und operante Konditionierung hinaus bestehen bei höher entwickelten Lebewesen noch komplexere Formen des Lernvermögens, nämlich Beobachtungs- und Modelllernen.

Doch nun zurück zum menschlichen Lernverhalten und der Möglichkeit zu dessen Optimierung. Es gibt vielerlei viel versprechende Lernmechanismen. Die wichtigsten, die sich teilweise überschneiden, sind folgende:

Vom Skelett zum Detail

Ungeschickt ist es, mit speziellen Themen, die sich zu einem allgemeinen Thema zusammenfassen lassen, zu beginnen. Man sollte sich ein Gerüst aufbauen, in dem man sich von allgemeinen Inhalten zu speziellen hangelt.

Wiederholen und festigen

Je öfter man sich mit speziellen Inhalten auseinandersetzt, desto besser verankert sich das Wissen im Gedächtnis.

Verknüpfen mit bereits Bekanntem

Versuche einer Überleitung von neuem Inhalt zu bereits bekanntem Inhalt zu finden. Es ist leichter Wissen zu erschließen als es sich isoliert an zu eignen.

Assoziationen einbauen

Eselsbrücken haben schon immer geholfen, Lerninhalt besser zu vermitteln. Das wissen auch Pädagogen. Mag die Assoziation noch so abstrus sein; behalte sie bei und verknüpfe sie mit dem Inhalt.

Merksätze

“Ist das Kind auch noch so dumm, groß schreibt es das Verb nach im, beim, am und zum.” Diesen Satz werde ich niemals vergessen. Er stammt, wie unschwer zu erkennen ist, von einem Deutschlehrer. Je lustiger, desto besser. Reime sind ebenso wichtig.

Sinnvolle Ziele setzen

Stress mag für einige unter euch nötig sein, um effektiv zu lernen. Man sollte sich allerdings nicht zu hohe Ziele stecken. Nimm dir im Falle eines immensen Stoffumfangs nicht zuviel vor. Arbeite dich Schritt für Schritt vor. Gestalte deinen Tag so, dass dir auch noch Freizeit bleibt. Somit setzt du dich einer gesunden Stresssituation aus und kannst dich auf deine anschließende Freizeit freuen. Das motiviert zusätzlich.

Diese Lernmechanismen sollten gleichsam beachtet werden. Sie lassen sich praktisch auch recht gut umsetzen. Am Beispiel eines unbekannten Textes, kann man folgendermaßen vorgehen:

  • Zunächst sollten die wichtigen Abschnitte eines zu lernenden Stoffes mit einem Marker markiert werden. Während dessen filtert man schon automatisch raus, was wichtig bzw. überflüssig ist.
  • Anschließend nimmst du dir ein Blatt Papier und versuchst für die wichtigen Stellen zunächst eine Überschrift zu finden. Sinn dieser Strategie ist es, den Text in Abschnitte zu untergliedern, um wiederum den Inhalt überschaubarer zu machen.
  • Daraufhin kannst du mit eigens formulierten Sätzen beginnen. Hohes Gebot ist hier, nicht wortwörtlich vom Text ab zu schreiben, sondern das Gelesene in eigene Worte zu fassen. Bereits an dieser Stelle bemerkst du, ob du den Text verstanden hast oder nicht. Wenn du meinst, ihn nicht verstanden zu haben – was meist dann der Fall ist, wenn man zu viel Zeit braucht, das zuvor Gelesene in eigene Worte zu fassen – lies noch einmal kurz nach.
  • Nun kannst du damit beginnen, das bereits Zusammengefasste kompakt auf Karteikarten zu schreiben. Versuche dabei, dich so kurz wie möglich zu halten. Reduziere den Inhalt auf das Wesentliche und beschmücke diesen mit kurzen Beispielen, sofern es der Inhalt zulässt. Auf die Vorderseite der Karteikarte solltest du ein Stichwort bzw. das Thema schreiben. Die Rückseite der Karte kannst du nun mit Inhalt füllen.
  • Die Wichtigkeit der Gestaltung der Karteikarten ist nicht zu unterschätzen. Arbeite mit so vielen Farben wie nur irgend möglich. Du kannst beispielsweise sowohl verschiedenfarbige Karteikarten als auch Marker verwenden. Farben prägen sich besonders gut in das Gedächtnis ein. Selbst auf Karteikarten sollten wichtige Stellen markiert werden. Du solltest die Farben der Karteikarten bestimmten Themen zuweisen. Überwiegt die Themenanzahl gegenüber der Auswahl an Farben der Karteikarten, so wähle gleichfarbige Karteikarten für ähnliche Inhalte aus. Eine einfache Eselsbrücke kann schon ausreichen, durch die du später das Thema mit der Farbe der Kartei verbinden kannst.
  • Motivation ist, wie bereits erwähnt, alles: Allein durch das Zusammenfassen bleibt schon eine Menge im Gedächtnis hängen, auch wenn zuerst einmal nicht der Eindruck entsteht. Geh die Karteikarten durch und wiederhole deren Inhalt. Wenn du dich sicher fühlst, mische die Karten aller Themenbereiche und frage dich selbst ab. Die Karten, die du beherrschst, kannst du zur Seite legen. Du wirst sehen, dass die Motivation steigt, je mehr Karten sich zu den gekonnten gesellen.

 

Wem dieser kleine Ausflug in die Welt der Lernmechanismen nicht ausreicht, kann sich auch an Literatur wenden.

 


 

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